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Zur Eurokrise

Zur Eurokrise

Warum werden wir von den Politikern und einem Großteil der Medien immer wieder belogen? (s. dazu besonders den Beitrag von Ralph Bärligea (parteidervernunft.de) am 14.5.2011zur Euro-Lüge: „ Wie Deutschland unter der Gemeinschaftswährung leidet“. Dazu auch: „Unsere Bundesregierung schreckt auch vor arglistiger Täuschung nicht zurück“).
In tibetanischer Gebetsmühlenart hören wir, zur Eurokrise befragt, immer wieder eines: Mit dem Euro verteidigen wir Europa!
(10.12.2011) Nicolas Sarkozy:  “Lassen Sie mich die Dinge klar sagen”, erklärte er. “Wir sind stark an den Euro gebunden. Wir verteidigen den Euro, weil der Euro für Europa steht.“).
Nicht nur dass die Aussage unsinnig ist, denn  vor dem € gab es auch schon Europa, sondern sie ist auch noch gefährlich, weil falsch.
Das Hauptargument zur Bestätigung dieser These aus deutscher Seite ist, dass Deutschland als bedeutendstes Exportland und Profiteur Europas ohne den Euro buchstäblich untergehen würde, weil in der Folge Arbeitsplätze verloren gingen und dies das Ende des deutschen Wohlstands bedeuten würde, (13.8.2011in Welt online: Die Exporte würden innerhalb weniger Monate deutlich abstürzen“, sagt Gustav Horn, wissenschaftlicher Leiter des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK, sowie (s. auch: Schäuble der “Sächsischen Zeitung” (Montagausgabe 21.11.2011) laut Vorabbericht. Es gehe darum, die “Grundlagen unseres Wohlstandes” zu verteidigen.)
Eine Tatsache aber ist, dass die deutschen Exporte seit der Einführung des Euro in andere europäischen Länder laut statistischem Bundesamt nicht zugenommen haben, sondern zurückgegangen sind, nämlich von 73,4 % auf nur noch 40 %.
Am stärksten waren nämlich nicht mehr die Ausfuhren in Länder der europäischen Gemeinschaft, sondern nach China und andere Länder, denen es völlig egal ist, in welcher Währung sie ihre Einfuhren bezahlen müssen.
Zwar gab es zur Zeit der D-Mark oft Klagen über ihren oft deutlich höheren Wert gegenüber anderen Währungen (z. B. wie Lira, Peseta, Drachme, etc.), das hat aber unseren Export innerhalb der EU nicht weiter beeinträchtigt, weil wir diese Ungleichheit durch entsprechende Vorteile wie Qualität (Made in Germany), Produktivitätssteigerungen (technische Innovation und Prozessoptimierung), gemäßigte Lohnpolitik, etc.,  wettmachen konnten.
Dennoch waren die deutschen Importe auf der anderen Seite der Bilanz im umgekehrten Verhältnis auch billiger, was vor allem dem Verbraucher zugutekam.
Betrachten wir doch heute die gestiegenen Energiekosten, wie Heizöl, Gas, Benzin und andere Rohstoffe an. So teuer waren sie noch nie!
Mit einer starken D-Mark wäre das Gegenteil der Fall. Die Verbraucher würden von einer starken D-Mark profitieren. Zudem sind die Reallöhne in Deutschland permanent gesunken, so dass der Kaufkraftverlust für viele Menschen kaum noch zu ertragen ist (Allianzgutachten vom 18.1.2011: Seit dem Start der Europäischen Gemeinschaftswährung hat der Euro knapp 22 Prozent an Wert verloren), sodass eine Lohnsteigerung zur Förderung der Binnenwirtschaft dringend notwendig ist (so auch DIW-Chef Gert Wagner, am 28.12.2011).
In anderen europäischen Ländern, vor allem in den heute hochverschuldeten Ländern wie Spanien, Portugal, Griechenland, Italien etc. sind Löhne, Gehälter, Renten und Pensionen derart gestiegen, dass so mancher Bürger in Deutschland auf die Nachbarn neidisch ist.
Das Ergebnis ist unheilvoll: Der Konsum geht merklich zurück und schädigt in Wirklichkeit die deutsche Wirtschaft, vor allem die klein- und mittelständische Industrie, die, nebenbei bemerkt, ca. 80 % des gesamten Arbeitsmarktes ausmacht.
Diese Entwicklung erklärt auch die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich. Denn die exportstarken und global operierenden Aktiengesellschaften (und vor allem ihre Manager) werden immer reicher, während die klein- und mittelständischen Betriebe, also die eigentliche Stütze der deutschen Wirtschaft, vor allem aber die arbeitende Bevölkerung immer ärmer werden. So siehe auch folgenden Beitrag vom 19. Mai 2011 im Handelsblatt unter der Überschrift: Horrender Anstieg bei Manager-Gehältern. Neid- oder Fairnessdiskussion? Wie man im dort lesen konnte, stiegen die Vergütungen bei DAX-Vorständen im vergangenen Jahr um 26% gegenüber 2009, auf durchschnittlich 4,58 Millionen Euro. Bei M-DAX-Chefs gar um 36%, auf im Schnitt 2,32 Millionen Euro. Dazu ergänzend Spiegel-online vom 21. 5. 2011.
„Wer diese Summen in Frage stellt, muss in Deutschland damit rechnen, dass ihm eine “Neiddiskussion” unterstellt wird. Es gibt offensichtlich eine Reihe von Menschen, die Neid und Fairness verwechseln. Möglicherweise aber, und dies wäre noch viel schlimmer, kennen sie gar keinen Unterschied - und man darf unterstellen, dass sie nicht ganz wissen, wovon sie reden - bzw. schreiben. Dass dieses Auseinanderklaffen von Einkommen und Werten für die Gesellschaft auf Dauer verheerend sein wird, darauf kann man warten. Spanien, wo der Vorstandschef der Santander-Bank sogar 11,8 Millionen Euro nach Hause schleppt, und die Arbeitslosenquote über 20% liegt - bei den Jüngeren sogar um die 40% -, wird möglicherweise Vorreiter sein. Lesen Sie dazu auch die FAZ.net vom 21.5.2011. Übrigens: Die Löhne für durchschnittlich Angestellte und Arbeiter in Deutschland stiegen im vergangenen Jahr nur um etwa 3%, die von Beamten überhaupt nicht, und die Renten auch nicht.“
Und was geschieht jetzt?
Nun müssen die europasolidarischen Bürger in Deutschland auch noch die hochverschuldeten Länder mit  Steuergeldern finanziell stützen (Angela Merkel am 5.5.2011zu: wer die Zeche zahlen würde: „In letzter Konsequenz (…) der Steuerzahler, also wir alle.“ Denn die Bundesregierung bürgt für die Kredite, die Athen aus Berlin bekommt. Das Geld dafür müsste aus dem Bundeshaushalt kommen).
Die Ironie dabei: Die deutschen Steuerzahler bezahlen im Nachhinein alle von Deutschland exportierten Güter. Die hochverschuldeten Länder wie Griechenland, Italien, Portugal, etc. sind ja bekanntermaßen nicht mehr  in der Lage, ihre Schulden zu bezahlen.
Dazu ist der sogenannte “Rettungsschirm” ins Leben gerufen worden. Diese Entwicklung ist die Folge des sogenannten merkantilistischen Wirtschaftssystems, in seiner negativer Ausprägung, da die deutsche Industrie so betrachtet, im Übermaß für hochverschuldete europäische Staaten produziert und die Politiker ironischerweise auch noch darauf stolz sind! Ironischerweise deshalb, denn was nützen den deutschen Bürgern die von der Bundesregierung so hochgepriesenen Handelsbilanzüberschüsse, wenn sie nicht dort, wo sie entstanden sind, nämlich in den überschuldeten Ländern, bezahlt werden, sondern wenn der deutsche Steuerzahler am Ende dafür geradestehen muss.
Die den sogenannten „Schuldenstaaten verordneten Sparmaßnahmen“ werden nicht reichen, um die Probleme zu lösen weil Europa durch die Sparmaßnahmen eine Rezession und ein Anstieg der Arbeitslosigkeit droht.
So sagt Christian Marazzi, der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph: „Sparhaushalte werden Europa nicht aus der Krise heraushelfen. Ganz im Gegenteil, sie werden den Kontinent und sein Großprojekt, den Euro, weiter in die Flaute hineinziehen.“
Wenn diese Wirtschaftspolitik fortgesetzt wird, also die deutsche Industrie überwiegend für andere Staaten produziert und am Ende der Steuerzahler auch noch die Zeche bezahlen muss, braucht man sich über zukünftig schwere Zeiten nicht zu wundern. Über diese Wahrheit spricht leider kein Politiker. Aber warum nicht? Haben sie es nicht verstanden?
Erinnern wir uns doch einmal an die Wirtschafts- und sozialpolitischen Ziele einer gesunden Volkswirtschaft. Sie muss sein:
„Vollbeschäftigung (aber nicht nur Zeit- und Leiharbeit), außenwirtschaftliches Gleichgewicht (nicht nur Weltmeister im Export sein), Geldwertstabilität (nicht um jeden Preis), gerechte Einkommens und Vermögensverteilung (Erhöhung des Spitzensteuersatzes etc.), Lebensqualität und gesunde Umwelt und Wirtschaftswachstum bei Bestreben möglichst viele Ziele gleichzeitig zu erreichen. Bei zu starker Einseitigkeit der Wirtschaftsmaßnahmen (wie zum Beispiel der zunehmende Lobbyismus, die Übermacht der Banken und deren Stützung ohne gleichzeitiger Regulierung, etc.) wird es zwangsläufig zu Zielkonflikten kommen.“

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