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Wir Banker (neu)

Warum habe ich das Gedicht „WIR BANKER“ (zur Finanzkrise 2009/20010) geschrieben und erstmals veröffentlicht am 6.05.2010? (rote Schrift kennzeichnet neuen Beitrag)

Von Wulf E. Bley

Politik, Wirtschaft, Medien und zuletzt das Volk diskutieren derzeit vehement die weltweite Wirtschaftskrise, insbesondere aber auch darüber, wie sie, vor allem im nationalen Eigeninteresse, bewältigt werden kann. Am Beispiel Griechenland heißt die Lösung derzeit: Haushaltsdefizit verringern, öffentliche Ausgaben reduzieren, also sparen und höhere Steuern für die Bürger.
Auch in Deutschland sind die möglichen Lösungsansätze nahezu gleichermaßen umstritten. Auch hier diskutiert man über Einsparungen auf der einen Seite aber auch Steuersenkungen auf der anderen Seite. Nahezu alle Vertreter der politischen Ressorts schwirren, besonders vor dem Hintergrund der bevorstehenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, wie ein aufgewühlter Ameisenhaufen rat- und ziellos durcheinander und kündigen in wildem Aktionismus völlig an der eigentlichen Ursache vorbeigehende Lösungswege an.

(Heute geht es der Regierungskoalition darum, vor der kommenden Bundestagswahl Griechenland und andere Krisenstaaten so reichlich (und zwar unbegrenzt) mit Milliardenkrediten vor einem Finanzkollaps zu schützen.)
Sie bekämpfen aber nach wie vor nur die Symptome der Krise und nicht die eigentlichen Ursachen.
Diese Ursachen sind die Banken und das mit ihnen fest verwurzelte gesamte Wirtschaftssystem. Was muss geschehen?

1. Banken sollten auf ihre eigentlichen Kerngeschäfte beschränkt werden. Das wäre die Vergabe, oder besser noch die Verteilung von Krediten und die gesamte Verwaltung des nationalen und internationalen Zahlungsverkehrs, also reine Verwaltungs- und Verteilungsgesellschaften.
2. Sämtliche Börsengeschäfte, also der Handel mit Aktien, Fonds, Anlagezertifikate, Anleihen, Hebelprodukten und Derivaten, Rohstoffen, Währungen, Rohstoffe, Kreditausfallversicherungen („Credit Default Swaps“), und sonstigen Finanzprodukten, müssten ihnen verboten werden. Banken dürften keine Spielkasinos sein!
3. Derartige Geschäfte dürften nur noch von hierauf spezialisierten und staatlich autorisierten bzw. zertifizierten Handelsgesellschaften vorgenommen werden.

(In dieser Hinsicht scheint heute eine gewisse Einsicht an Boden zu gewinnen. Doch wenn Peer Steinbrück aus wahltaktischen Gründen die Aufspaltung der Banken fordert, die dann allerdings, und dieser Nebensatz scheint im allgemeinen Meinungsgetümmel leicht unterzugehen, unter einer Holding zusammengefasst werden, haben wir ja doch in Wahrheit nichts verändert, sondern nur weiter verschleiert, wie die Bildung und Existenz von sogenannten „Schattenbanken“ beweisen.
4. In diesem Handelsbereich sollten Sondersteuern auf Spekulationsgewinne erhoben werden, die dann den Staaten zugutekommen.
5. Die Regierungen müssten weltweit den Handel mit derartigen Finanzprodukten überwachen. Verboten werden sollte jedoch der spekulative Börsenhandel mit Rohstoffen und Währungen, gleich welcher Art, weil sie die Mechanismen der freien Marktwirtschaft außer Kraft setzen und ganze Volkswirtschaften ruinieren können. Preisentwicklungen müssen wieder den Marktgesetzen von Angebot und Nachfrage unterliegen.

(Man denke besonders an die Verbrennung von Nahrungsmitteln für die Biokraftstoffproduktion und deren Auswirkungen auf die Lebensmittel wie Mais, Soja, Weizen u.a. mit verheerenden Auswirkungen auf die hungernden Menschen der Länder der sogenannten „Dritten Welt“.
 6. Die Ansicht, Griechenland nicht durch neue Kredite zu unterstützen, oder die griechische Regierung zu überreden, aus dem Währungsverbund auszuscheiden, ist die einzige vernünftige Ansicht von namhaften Wissenschaftlern (wie Prof Sinn). Wenn eine Person hoch verschuldet ist, hilft ihr auch kein neuer Kredit, im Gegenteil, die Verschuldung steigt. Das Verhalten der EU-Staaten zur Rettung Griechenlands ist paradox. Aber man rettet ja auch nicht das betroffene Land, sondern ausschließlich die Profiteure der Devisen- und Staatsanleihenspekulationen, also wieder die Banken und Spekulanten.

Die Finanzwelt gibt nach wie vor den Ton an und die Politiker (übrigens fast aller Europäischen Staaten sind lediglich Bauern und unbedeutende Schachfiguren im Spiel der Finanzelite (man denke an die Bedeutung der zwölf Herrschenden in der sogenannten „City of London“. Lesen Sie doch einmal den folgenden Beitrag zu diesem Thema:

http://www.weltkrieg.cc/articles/read-alles-marionetten-der-city-of-london_171.html

Dies sind nur einige der wichtigsten Maßnahmen und Anregungen die global und darüber hinaus auch noch schnellstens durch die Politiker gegen die Finanz- und Bankenwelt um- und durchgesetzt werden müssten.
Das nächste Spekulationskarussell dreht sich ungebremst und immer schneller hinter den Kulissen der Öffentlichkeit.
Die nächste Krise könnte schon sehr bald ausgelöst werden. Island oder Griechenland sind nur die ersten Opfer der Spekulationen. Spanien, Portugal, Italien, Frankreich, etc. könnten sehr schnell in ihren Sog geraten.
Eine weltweite Kettenreaktion wäre die Folge. Die Spekulanten haben den Angriff auf den Euro bereits erfolgreich begonnen!
Die Politik des Neoliberalismus oder des Ordoliberalismus, der nämlich eine marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung, einen Ordnungsrahmen für ökonomischen Wettbewerb und die Freiheit der Bürger auf dem Markt gewährleisten soll, ist in der derzeitigen Form gescheitert, weil die Politiker (weltweit) die Banken unkontrolliert gewähren lassen und ihre Hausaufgaben nicht machen.
Statt zu regieren, beschränken sie sich auf bloße Absichtserklärungen, verteidigen und verwalten sie ihre Pfründe und schauen ohnmächtig dem werdenden Untergang ganzer Volkswirtschaften zu.
Joseph Schumpeter (von 1925 bis 1932 Professor für „wirtschaftliche Staatswissenschaft“ der Universität in Bonn, von 1932 bis 1950 an der Harvard University) stellte schon vor mehr als einem halben Jahrhundert fest:
„Die Marktwirtschaft – damals noch „Kapitalismus“ geheißen – habe die Tendenz, die sie „schützenden Schichten zu zerstören, ihre eigenen Verteidigungsanlagen niederzureißen und die Besatzungen ihrer Schutzwälle zu zerstreuen.“ 

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