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Vorwort:

Den inneren und gegenwärtigen Zustand unserer Welt könnte man in fast einem Satz und folgender Aussage zusammenfassen:

„Der sittliche und moralische Verfall unserer Zivilisation ist nicht mehr aufzuhalten:

Das Geschäftsleben ist eine zügellose Jagd der Übervorteilung und des Betrugs, - verbunden mit einer totalen Überreizung der Produktionsgier und ruinösem Streik der Konsumenten; dagegen steht die unerbittliche Schaffung künstlicher Bedürfnisse in einem Bedarfsweckungsmarkt und eine die Zukunft vernachlässigende Sozialpolitik. Schuldenmacherei und Firmengründerei gehen einher mit einer ungeheuren Kapitalvernichtung der Kleinanleger, Arbeit und Kapital fletschen sich in Schein- und Schaukämpfen wie zwei feindliche Bestien einander an; stumpfsinnigste, gemeinste Egoismen und Seelenlosigkeiten werden als Selbstverständlichkeit hingenommen und entschuldigt, Religionen werden wie zu allen Zeiten weiterhin in der Form des primitivsten Aberglaubens mystifiziert, propagiert, zelebriert, verabsolutiert und als Alibifunktion für die Verletzung von Menschenrechten zum eigenen Vorteil missbraucht; die Philosophie ist gegenüber der triumphierenden Stupidität und geistigen Armut der genasführten, bewusst und gewollt dumm gehaltenen Bevölkerung völlig ratlos und verlacht; die Naturwissenschaften werden missbraucht als dienstwillige Handlangerinnen einer ungeheuerlichen Lebensmittel- und Warenfälschung, sowie einer der Pharmaindustrie dienenden Gottesanmaßung unter dem Alibi von Forschung und Entwicklung, sowie einer sündhaften Genmanipulation und Giftproduktion. Wir erleben einen erschreckenden Verlust des Rechts- und Pflicht- und Ehrgefühls, eine zunehmend unfähige Justiz, die- Lockerung aller früheren die Gesellschaft zusammenhaltenden ethischen Maxime, das redliche und ehrbare „Nach-der Decke-sich-strecken“ oder Partnertreue als Torheit verlacht, - Gefühle werden Mittel zum Zweck, Liebe wird als reine Existenzsicherung missbraucht, Luxuswahn und Lebensgier wird grenzenlos, - das Fernsehen ist eine nicht mehr zu überbietende Verblöderung und Beleidigung elementarster kultureller Bedürfnisse, in seiner gnadenlosen Primitivität unaufhaltsam das Publikum verhöhnend, - die Genusssucht unersättlich und unerträglich in dekadentem Ausmaß gesteigert, - die Politik unsere Kinder vernachlässigend und in grenzenlosem Egoismus als asozialer Ballast stigmatisiert,- eine blinde und stümperhafte Bildungspolitik, die Zukunft unserer Nachkommen bewusst missachtend, primitivste Wertvorstellungen und Brutalität vermittelnd oder duldend, - die Prostitution in riesiger Zunahme, - Verrohung und Fanatismus sowie Rückbesinnung auf nationale Interessen in einer wachsenden Globalisierung paradoxerweise zunehmend.

Durch Verlust des Gleichgewichts der Kräfte in einer weltpolitischen Neuordnung  entwickelt sich ein in der amerikanischen Regierung aufkommender Führungswahn mit ständig wachsendem, ungebremsten Großmachtstreben, unterstützt durch eine ständig einsatzbereite Kriegsmaschinerie, einhergehend mit der künstlichen Schaffung von weltweiten Krisenherden als Rechtfertigung für das bestehen einer florierenden Waffenindustrie.

Die Irrationalität und Verbrecherbrutalität wächst ins Grauenhafte, - der Parteienkampf in Deutschland lässt alle rechtliche und sittliche Grundsätzlichkeit vermissen und ist zum elenden Persönlichkeitszank um politische Ämter verkommen.

Politische Ämter werden ausschließlich als Selbstbedienungsläden zur Existenzsicherung missbraucht, die Führung in den meisten Ländern der Welt ist kleinlich, armselig, rücksichtslos. Überall herrscht Unvernunft, Verlogenheit, Scheinwesen, Verlumpung, Missmut, Korruption, Manipulation, Unzufriedenheit, Unbehagen und wiederum an allen Enden der Größenwahn.

In summa:

Es herrscht Weltuntergangsstimmung durch menschliche Verkommenheit, Egoismus und Uneinsichtigkeit in höchster Potenz und bedrückende Ohnmacht und Resignation der Völker. Und solange wir bedeutende Persönlichkeiten unseres Lebens als feindlich empfinden, weil wir, die Masse des Volkes, keine sind oder sein wollen und den falschen, zuvor erschaffenen Propheten folgen, indem wir Schwachköpfe unserer Zeit in der Öffentlichkeit zu bedeutenden Persönlichkeiten aufwerten, die aufgrund einer ungeheuren Propagandamaschinerie in Medien, Funk und Fernsehen unseren Geschmack, unser Denken und Handeln beeinflussen oder gar bestimmen und uns in die niedrigste Mittelmäßigkeit herabziehen, wird der Untergang unserer Zivilisation nicht aufzuhalten sein.“

 

 

Die Schlagzeile:

11. September 2001.

Das World Trade Center in New York, ein Wahrzeichen des wirtschaftlichen Aufstiegs der USA, wird in einem beispiellosen Terrorakt angegriffen. Bis heute ist unklar, wie viele Menschen den Anschlag mit ihrem Leben bezahlt haben. Gebaut wurden die 420 Meter hohen Zwillingstürme in den 60-ger Jahren, die Einweihung fand 1973 statt. Insgesamt arbeiteten hier 50.000 Menschen, täglich wurden 80.000 Besucher gezählt. Zum World Trade Center gehörte ein ganzer Straßenzug an Gebäuden. Der Tag der Zerstörung:
Am Dienstag, 11. September 2001, gegen 09 Uhr morgens, schlägt ein Flugzeug in einem der Türme ein. Zunächst deutet alles auf ein Unglück hin. Als 18 Minuten später ein zweites Flugzeug, ebenfalls eine Passagiermaschine, den anderen Tower trifft, wird klar, dass es sich um einen gezielten Anschlag handelt. Das World Trade Center steht in Flammen. Ein Tower wurde etwa in der Mitte getroffen, der andere im oberen Bereich. Starker Rauch tritt aus, verzweifelte Menschen springen in den sicheren Tot. Erste Rettungsmaßnahmen laufen an - für viele Feuerwehrleute und Polizisten wird das World Trade Center zur tödlichen Falle. Nach etwa einer Stunde stürzte der erste Tower ein. 200.000 Tonnen Stahl und 325.000 Kubikmeter Zement brechen in einer Staubwolke zusammen. Kurz darauf stürzt der zweite Turm in sich zusammen. Umstehende Gebäude werden in Mitleidenschaft gezogen. Auch das Pentagon wird getroffen. Ein Flugzeug schlägt ein. Hunderte Menschen sterben, viele sind verletzt.
Nahe Pennsylvania stürzt ein Flugzeug ab. Vermutlich hat es an Bord einen Kampf zwischen Entführern und Passagieren gegeben.

Unweit des Londoner Bankplatzes auf der Nordseite des Strand und der Fleet Street, dieser beliebtesten Straßen im Geschäftsviertel der City, am Nordufer der Themse gelegen, ragt ein Hochhaus zum Himmel empor. Dieses moderne Bürohaus war erst vor wenigen Jahren erbaut worden.

Verlässt man im sechsten Stock den Fahrstuhl, so fällt der Blick sogleich auf ein Schild mit der Aufschrift „ Chicago News, Londoner Redaktion“. Im Büro gehen die Fenster auf eine Seitenstrasse hinaus und geben über die Dächer der Nebengebäude eine derart gute Aussicht, dass man bei gutem Wetter den Bootsverkehr auf der Themse bis zum Parlamentsgebäude verfolgen kann. Chef dieser Redaktion ist Mr. Norman Steele, ein drahtiger, mittelgroßer Mann von 35 Jahren mit rostbraunem Haar auf einem feinen, schmalen Kopf, aus dem ein Paar graublaue Augen beherrscht in die Welt blicken. Der Redaktion gehört ferner Mr. Thomas Shelter an, kurz Tommy genannt. Er ist fünf Jahre jünger als sein Freund und Chef, lang aufgeschossen, strohblond und mit wasserblauen Augen in einem gutmütigem Gesicht.

Drittes Mitglied der Redaktion ist Miß Eve Chapman. Wenn sie wüßte, wie schön sie ist, und mehr bestrebt wäre, ihre äußeren Reize zur Geltung zu bringen, wäre vieles leichter für sie und Norman. Eve Chapman bildet sich aber viel mehr auf ihren Intellekt als auf ihre weiblichen Reize ein.

Es ist ein wolkenloser Nachmittag. Bis jetzt hat Norman vor dem Fernseher gesessen und die dramatischen Ereignisse in seinem Heimatland erschüttert am Bildschirm verfolgt. Er ist wie gelähmt und innerlich aüßerst aufgewühlt. Inzwischen weiß man, daß es sich um Anschläge von arabischen Terroristen handelt.

Das Thema, mit dem er sich zur Zeit beschäftigt, nämlich illegale Waffenlieferungen an sogenannte Drittländer und Krisenherde wie dem nahen Osten, passt seiner Meinung nach genau zu den jüngsten Ereignissen. Er hat jetzt noch mehr zu tun. Vorher muß er aber mit Eve einiges besprechen.

Er lässt sie durch seine Sekretärin hereinrufen. Sie tritt sichtlich niedergeschlagen ins Büro und er sagt, sich ihr kurz zunickend, freundlich und noch ganz im Banne der jüngsten Nachrichten wie abwesend: „Setz dich doch bitte, ich bin gleich soweit. Er ordnet noch schweigend einige Papiere, verschließt sie sorgfältig im Schreibtisch, steckte den Schlüsselbund in die Tasche, geht an den Besprechungstisch und setzt sich.

Eve, die Platz genommen hat, streift die Asche ihrer Zigarette am Aschenbecher ab schaut  ihm aufmerksam zu, während er sich zu ihr setzt. Er wendet ihr sein etwas farbloses Gesicht zu und sagt leise: „Du hast ja sicherlich mitbekommen, was bei uns gerade in New York passiert ist und noch andauert. Ist das ganze nicht entsetzlich? Bald werden wir Genaueres über die Urheber wissen.“

Ohne ihre Antwort abzuwarten fährt er mit abwinkender Geste fort: „Das Thema, um das es mir jetzt aber geht, passt genau in dieses Krisenszenarium. Die Hauptredaktion in Chicago wünscht, daß wir der Sache Newton Incorporated, einen Waffenproduzenten, nachgehen. Sie hat in einer Notiz Enthüllungen über illegale Waffenlieferungen angedroht und mich mit der Aufklärung und Aufdeckung der Hintermänner betraut. Der Schlüssel zu der Sache liegt unseren bisherigen Erkenntnissen nach hier in London, wo George Winter die Interessen der Newton Incorporated, vertritt. Diese Waffen werden anscheinend überwiegend in Krisengebiete und an terroristische Organisationen wie der IRA, PLO etc.  in die ganze Welt geschmuggelt. Soweit die bisherigen Recherchen. Aber wir brauchen Beweise. Es kann eine Sensation geben. Was ist, du wolltest etwas sagen –..?“

Eve liegt entspannt zurückgelehnt im Sessel und verfolgt jede seiner Bewegungen aufmerksam. Dann aber plötzlich setzt sie sich gespannt aufrecht hin und sagt ruhig: „Ich fürchte es wird wenig Eindruck auf dich machen.“

Er schaut ihr jetzt neugierig und offen in ihre großen und ausdrucksvollen Augen: „Ich kann mir denken, was du sagen willst: ich soll die Finger von der Sache lassen, nicht wahr? Warum?“

Als ein modernes Mädchen mit stark pazifistischer Grundeinstellung zu allem, was nach Krieg, Kampf oder Blutvergießen aussieht, sagt sie voller Überzeugung, seinen Blick direkt und ebenso offen erwidernd langsam, deutlich akzentuiert und mit Nachdruck: „Meiner Ansicht nach gilt es nicht, über Blutgeschäfte zu schreiben, sondern sie zu verhindern.“

Er schaut ernst und  nachdenklich zurück, runzelt dabei die Stirn und erwidert nach ein paar Sekunden konzentrierter Gedanken: „Das versuche ich ja gerade. Denn meiner Auffassung nach geschieht das am wirksamsten dadurch, in dem man die öffentliche Meinung mobilisiert. Außerdem ist das unser Job. An allem, was in der Welt an Kriegen und Terrorakten geschehen ist und derzeit geschieht, sind wir Amerikaner nämlich maßgeblich auch durch unsere Waffenlieferungen beteiligt und daher mitschuldig, zumindest mitursächlich, wenn man es wertfrei betrachten will! Auch der heutige Terrorakt auf das World Trade Center in New York ist nur eine Folge dieser Politik. Bisher haben wir die Waffen exportiert, in dem sicheren Bewusstsein, daß ihre Wirkungen unserem Land verschont bleiben. Heute müssen wir feststellen, daß die Menschen, die wir mit unseren Waffen zur Macht verhalfen, dieselben Waffen gegen uns richten. Aber lassen wir das zunächst. Das ist ein Thema, über das wir ein andermal ausführlich sprechen sollten. Im Augenblick wachsen mir die jüngsten Ereignisse über den Kopf. Ich kann kaum noch einen klaren Gedanken fassen.“

Eve beugt sich weiter nach vorne, streift wieder die Asche im Aschenbecher ab, zuckt die Achseln und erwidert: „Ich habe mit meinen vier und zwanzig Jahren natürlich nicht dieselben Erfahrungen wie du und Tommy und masse mir keine Kritik an. Du wirst mir aber hoffentlich gestatten, der Angelegenheit auf meine Weise die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.“

Aufmerksam und leicht beunruhigt, glaubt er ihrer Stimme eine opponierende Grundhaltung zu entnehmen und fragt daher ein wenig verstimmt: „Was willst du damit sagen?“

Er macht eine kleine Pause, um nachzuhaken, nachdem sie auf seine Frage nicht eingeht: „Mir scheint überhaupt, wir müssen einmal reinen Tisch machen, Eve.“

Jetzt ist es Eve, die etwas nervös wird und ihre ruhige Haltung im Sessel aufgibt, indem sie auf dem glatten Leder nervös nach vorne rutscht. Was ist mit Norman geschehen? Er ist heute so seltsam, so distanziert, vor allem zu ihr. Er hat sie zur Begrüßung nicht einmal umarmt und geküsst wie sonst. Hat das etwa mit den Ereignissen in New York zu tun?

Nun aber gibt sie sich gewissermaßen einen Stoß, hebt stolz ihren schönen Kopf, lächelt flüchtig, wird jedoch sofort wieder ernst und fragt geradeheraus: „Möchtest du mir nicht einmal sagen, was du hast? Deine Begrüßung heute war nicht gerade herzlich. Außerdem hast du dir neuerdings angewöhnt, mich bei jeder passenden und vor allem unpassenden Gelegenheit zu fragen, wo ich war. Das ist mir in letzter zeit zumindest aufgefallen. Ich finde das einfach lächerlich! Und inwiefern möchtest du reinen Tisch machen, Norman? Ich höre!“

Ohnehin etwas nervös, steht Norman abrupt auf und geht auf sie zu, berührt mit seiner rechten hand ihre linke Schulter und sagt bedenklich: „Neben dem beruflichen Stress und den vielen zu lösenden Problemen kann ich nicht auch noch privat mit dir Kämpfe austragen. Es kann mit uns nicht länger so wie bisher weitergehen.“

Von seiner Unruhe angesteckt, schaut sie ihn mit großen Augen an und fragt nunmehr doch etwas überrascht: „Was kann nicht so weitergehen? Ich verstehe nicht -…“

Er sucht ihren Blick. Seine glatte Stirn furcht sich und in seiner etwas gehobenen Stimme schwingt ein trauriger Unterton: „Ich weiß, es ist dir nicht recht. Trotzdem muß ich dich auch jetzt wieder danach fragen. Du bist den ganzen Vormittag nicht im Büro gewesen. Früher hattest du wenigstens eine Notiz hinterlassen oder angerufen, daß du später kommst oder wo du bist. Schließlich ist es ja wohl nicht gerade unbescheiden, wenn ich das wissen möchte.“

Sie hält seinem Blick stand: „Fragst du das als Chef oder als Mann?“

Die Frage verblüfft ihn für einen Augenblick. Versteht sie ihn denn wirklich nicht oder will sie ihn nicht verstehen? Nun sinkt seine Stimme wieder, seine gerunzelte Stirn strafft sich wieder, als er gewollt kühl und knapp erwidert: „Nimm es, wie du willst!“

„Hm.“ Eine weitere Antwort gibt sie nicht.

Norman sucht seine wachsende Erregung zu beherrschen und trommelt nun nervös mit den Fingern auf den Tisch. Erwartungsvoll schaut er in ihr schönes Gesicht unter dem es sichtbar arbeitet.

„Nun?“ fragt er hartnäckig nach.

Eve blickt ihn jetzt offen an und schüttelt langsam und bedauernd den Kopf und sagt langsam und betont dabei jedes Wort: „Ich kann dir nicht sagen, wo ich war, Norman. Ich darf es nicht. Es wäre lieb von dir, wenn du nicht darauf bestehen würdest, daß ich deine Frage beantworte.“

„Und warum nicht, wenn ich mir zu fragen erlauben darf?“ entfährt es ihm förmlich und voller sichtlicher Anspannung wendet er sich plötzlich in Richtung des Fensters, um seine Erregung vor ihr zu verbergen.

„Weil ich damit einen Vertrauensbruch begehen würde“, erwiderte sie ruhig und bestimmt. Sie sagt es mit ernstem Gesicht und lehnt sich wieder in ihrem Sessel zurück.

Ihre sichtliche Ruhe macht ihn noch nervöser.

Er macht ein nachdenkliches Gesicht, und geht in seiner üblichen Art, wenn er konzentriert nachdenkt, im Zimmer auf und ab. Dann hebt er plötzlich den Kopf und schleudert ihr entschlossen die Frage entgegen: „Wie lange kennen wir uns jetzt, Eve?“

Eve ist über diese Frage etwas überrascht, richtet sich wieder in ihrem Sessel auf, bleibt in ihrer Stimme jedoch ruhig, als sie antwortet: „Laß mich nachdenken!“

Und nach einem konzentrierten Augenblick des Nachdenkens, in dem sich ihre Stirn in Falten legt, sagt sie etwas zögernd: „Als du zum ersten Male zu meinen Eltern kamst, war ich knapp siebenzehn. Demnach sind es etwa sieben Jahre.“  Und plötzlich lächelnd: „Ich hab´ es getragen sieben Jahr, und ich will es nicht tragen mehr - - .“

„Was -?“ fragt er verunsichert.

Eve hat sich wieder entspannt zurückgelehnt und blickt ihn nun leicht spöttisch an: „Dass du in mir offensichtlich immer noch das Teenager-Girl von damals siehst! Ich bin nämlich inzwischen erwachsen, habe zwei Universitätsprüfungen mit der Note „Sehr gut“ bestanden und – Warum siehst du mich so an? Was ist dir? Was -?“

Norman ist, während sie spricht, dicht hinter sie getreten, faßt sie unter das Kinn, hebt ihren Kopf und küßt sie auf den Mund. Sie duldet es zuerst gedankenlos. Dann erwidert sie seine Kuß mit wachsender Leidenschaft, um danach plötzlich zu erschlaffen, als wären ihre Lippen leblos geworden. Norman kann sich dieses Verhalten nicht erklären, läßt sie wieder gehen, tritt wieder ans Fenster, blickt einige Augenblicke verloren auf die unter ihm liegenden Häuser und den Verkehr, wendet sich wieder zu ihr um und sieht sie schweigend an.

Ein kleines Feuer ist in seinen Augen. Dann spricht er endlich leise: „Was war – oder ist -? Du bist so seltsam, Eve. Ich küsse dich. Du duldest es, erwiderst meinen Kuß und bist dann urplötzlich kalt wie Eis. Ich verstehe das nicht. Kannst du mir das bitte erklären?“

Er geht auf seinen Platz hinter dem Schreibtisch, verdeutlicht damit die für ihn entstandene Distanz und setzt sich: „ Kannst du mir nicht erklären -? Warum  - ?“

Eve Chapmans Gedanken gehen fieberhaft. Wie soll sie ihm es erklären, ohne daß er gleich beleidigt ist? Sie entnimmt leicht nervös ihrer Schachtel wiederum eine neue Zigarette, will Zeit gewinnen, schaut ihn dabei ruhig an und sagt nachdenklich: „Gib mir bitte Feuer!“ –

Als er Ihr den Gefallen tut, berührt sie kurz seine Hand und sagt dann ruhig: „Danke! – Ich glaube, du bist ein Meister im Küssen, Norman. Ich habe den Eindruck, du hast bei deiner früheren Freundin Mary Knight viel gelernt. Sie ist nicht nur eine bedeutende Chansonsängerin, sondern offenbar auch als Frau ein sehr begabtes Naturtalent und vermutlich in Sachen Liebe hervorragend ausgebildet.“

Norman ist über diese Wendung des Gespräches überrascht, fühlt sich in die Defensive gedrängt und sagt, mit leisem Grollen in der Stimme kurz angebunden: „Was soll diese Ironie? Das mit der Knight ist längst vorbei! Bist du etwa auf meine Vergangenheit eifersüchtig? Ich denke du bist erwachsen! Zumindest hast du das gerade noch betont.“

„Ach -! Hm -!“ Macht sie nachdenklich.

Dann, mit leicht bitterem Ton fährt sie nach der kurzen Denkpause fort: „Und jetzt bin ich dran, nicht wahr? Ich glaube nicht, daß ich dir so viel wie Mary Knight bieten könnte. Deine plötzlich erwachte männliche Zuneigung ehrt mich zwar, hat aber einen kleinen Schönheitsfehler. Ich glaube nämlich weder an ihre Beständigkeit noch an ihre Aufrichtigkeit.“

Soll einer einmal die Frauen verstehen. Norman tut es nicht, seine Stirn ist wieder tief gefurcht, das Grollen in seiner Stimme verstärkt sich, als er auffährt: „Wie kommst du denn darauf? Und: Was du nicht sagst!? Du glaubst nicht an meine Aufrichtigkeit? Wer von uns beiden ist denn unaufrichtig? Ich oder du? Wer hat denn täglich und abendlich so oft recht merkwürdige Verabredungen?!“

Eve bleibt völlig ruhig und erwidert unbeeindruckt: „Ich habe keine merkwürdigen Verabredungen, Norman.“

Norman sagt nun höchst erregt: „Ach! Nein? Nun denn: machen wir die Probe! Nigel Fisher rief an und bat um eine Zusammenkunft im „Firestone“ für heute Abend. Ich möchte, daß du daran teilnimmst!“

Eve bleibt stur: „Leider bin ich verhindert.“

Norman betont jedes Wort deutlich: „Das mit Nigel ist aber sehr wichtig.“

Sie kontert ebenso: „Was ich vorhabe, nicht minder.“

Norman tritt an sie heran und berührt wieder ihre Schulter als er mit ruhiger Stimme freundlich sagt: „Dann darf ich wohl fragen, mit wem du verabredet bist, nicht wahr?“

Sie zuckt mit der Schulter, als wolle sie damit seine Berührung abschütteln und antwortet ungewollt hart und unmissverständlich: „Ich habe wirklich nicht die Absicht, darüber zu sprechen, Norman.“

Norman läßt nicht locker. „Und warum nicht?“ fragt er daher ärgerlich.

Eve steht nun ebenfalls auf und sieht ihm kühl in die Augen und erwidert: „Sehr einfach: ich will es nicht.“

Dann setzt sie sich wieder in den Sessel.

„Unerhört!“ knurrt er. „Schließlich kann ich wohl erwarten, daß du mir endlich einmal sagst, mit wem du dich so triffst. Soviel Vertrauen glaube ich immerhin beanspruchen zu können. Das ist am Ende mein gutes Recht!“

Eine Zeit lang scheint Eve ganz in die Betrachtung ihrer Fingerspitzen versunken zu sein, bis sie den Kopf hebt: „Vertrauen? Wenn du mir nicht vertraust, ist das dein Problem.“ Und dann nach einer kurzen Denkpause, ironisch lächelnd, fährt sie fort: „Woher glaubst du dieses Recht ableiten zu dürfen?“

„Aus meinem Wunsche, dich zu heiraten!“

So schnell ihm der Gedanke kam, so spontan sprach er ihn aus.

„Schade, Norman -!“ sagt sie sinnend.

„Was ist schade?“ fragt er unsicher.

Sie schließt die Augen völlig, ihr Kopf senkt sich auf die Brust als sie leise antwortet: „Dass du das größte und wichtigste Ereignis einer Frau im Zusammenhang mit einem für mich geradezu beleidigendem Misstrauen sagst. Wie sollte ich wohl die Frau eines Mannes sein können, der mir nicht bedingungslos vertraut?!“

Ruhiger geworden schaut er sie jetzt an und zündet sich seinerseits eine Zigarette an, nimmt einen tiefen Zug, atmet bedächtig den Rauch aus und antwortet nach einem kurzen Augenblick des Nachdenkens: „Wenn du geradezu blindes Vertrauen von mir verlangst, kannst du ja sagen, wen du heute Abend triffst. In sofern kannst du ja den ersten Schritt tun, denn ich habe dir schließlich ja nichts zu verbergen und verheimliche dir auch nichts.“

Aber Eve denkt nicht daran, ihren einmal eingenommenen Standpunkt aufzugeben. Um schließlich der Diskussion ein Ende zu bereiten sagt sie provokativ nach tiefem und kurzem Ausatmen kurz und trocken: „Einen Mann, Norman. Denk nur: einen Mann!“ Nach einer kurzen Pause fügt sie aber noch an: „Zu deiner Beruhigung sei dir aber gesagt, daß seine Schwester dabei ist.“

Als er immer noch schweigt und sie beobachtet, wie es in ihm gärt, sagt sie mit bitterem Auflachen, um ihn zu beruhigen: „Es kann also nichts passieren. Mach dich also bitte nicht lächerlich!“

Norman kann seine offensichtliche Eifersucht, unter der er schon seit längerem leidet, nicht verbergen und sagt daher auflachend mit harter Stimme: „Als Anstandswauwau? Soweit braucht es ja auch nicht immer gleich kommen. Heute triffst du ihn mit seiner Schwester, und das nächste Mal allein. Das weitere entwickelt sich dann nach bewährtem Muster automatisch.“

Nach einer kleinen Pause ergänzt er noch mit bitterem Ton: „Lehre Du mich das Leben kennen! Haha!“

Eve blickt ihn nun traurig an.

„Vermutlich ist das Leben, das du kennst, so, wie du sagst. Was anders ist, wirst du noch kennen lernen müssen“, erwidert sie mit einer gespielten Eiseskälte, hinter der sie zugleich ihren Zorn und ihren Schmerz verbirgt. Denn er traf sie viel tiefer, als er ahnen kann, weil er nicht weiß, daß und wie sehr sie ihn wirklich liebt.

Und verbissen, wie Norman nun einmal in der Sache ist, besteht er hartnäckig auf eine klare Antwort und sagt eiskalt: „Ob ich mich lächerlich mache oder nicht, daß kannst du im Übrigen getrost mir überlassen. Wenn die Sache nämlich sauber wäre, hättest du keinen Grund, mir nicht zu sagen, mit welchem Mann du dich neuerdings so oft triffst. Da du es mir aber nicht sagen willst, muß ich annehmen, daß etwas nicht stimmt. Daher wirst auch du nun einsehen, daß es so zwischen uns wirklich nicht weitergehen kann!“

Eve sieht ihn mit großen Augen an. Dann lässt ihr Blick ihn los und sie sagt ganz ruhig, mühsam ihre wahren Gefühle verbergend: „Du hast sicherlich recht. Es kann so zwischen uns tatsächlich nicht weitergehen.“

Sie steht kurz entschlossen auf und sagt, jetzt aber mit leichtem Zittern in der Stimme: „Ich denke, du wirst nichts dagegen haben, wenn ich jetzt gehe.“

Sie wartet seine Antwort gar nicht erst ab, sondern greift nach ihrer Handtasche, steht auf und verlässt mir ruhigen und festen Schritten den Raum. Es ist wie eine Flucht vor dem eigenen ich und seinen aufgewühlten Wünschen……..

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