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1. Szene

 

 

 

Renaldo und Pedro treten von links ein.

Pedro:             (erst freundlich, dann nachdenklich) Schön, dass du mich besuchst! (dann angewidert, naserümpfend) Es tut mir leid, dass es so stinkt. Normalerweise weht um diese Zeit eine leichte Brise frischen und würzigen Duftes von den Weiden und Sträuchern des Guadalquivir zu meinem Schloss. Doch nun hat sich der Wind gedreht, schwarzer Qualm weht herüber und man kann den Gestank der Kloake, den Geruch verbrannten Holzes und den ekelhaft süßlich-penetranten Geruch verbrannten Fleisches, vom Hauptplatz der Stadt bis hierher riechen. Mir wird ganz übel!

Renaldo:       (nickend) Ja, gestern war Feiertag und es fand wieder ein Auto de fe, kurz Auto, oder die Feier des Glaubens, wie wir sagen, statt. Es ist ja, wie du weißt, eine der Großveranstaltungen, an der alle Mächtigen und Bedeutenden der Provinz und auch das gemeine Volk anwesend sein müssen. (ironisch). Und bei diesem Volksfest gestern wollte und durfte natürlich keiner fehlen. Eine klare Anordnung des Grossinquisitors Torquemada. Ich habe dich dort vermisst. Wo warst du eigentlich?

Pedro:            (leise, aber deutlich) Ich kann solche Feste nicht ertragen! Ich bin weder mächtig noch bedeutend und mit dem Pöbel habe ich nichts gemein. Es herrscht eine bedrückende Stille und Atmosphäre über dem ganzen Land. Selbst die sonst so unermüdlich strahlende Sonne scheint sich zu verdunkeln. Man sieht außerhalb dieser Veranstaltungen kaum noch Menschen auf den Straßen. Die dunkle Seite der Inquisition schafft allenthalben unsichtbare Schatten, die sich zentnerschwer auf das Gemüt der Menschen legen.

Renaldo:        (seufzend) Ja, ich weiß, es ist eine schlimme Zeit. Die vielen Menschen erfreuen sich sogar noch daran, um die Verbrennung der Ketzer zu sehen und dabei den Ablass zu empfangen, den jeder zu erwarten hat, der seiner heiligen Pflicht, dieser Veranstaltung, beizuwohnen, nachkommt. Ich kann es nicht ändern, mein Freund, aber das Auto ist nun einmal der höchste Dienst an Gott, ist der Sieg der Kirche über alle ihre Feinde, quasi ein Abbild des jüngsten Gerichts.

Pedro:            (verzweifelt) Dienst an Gott? Sieg der Kirche? Eher eine Gotteslästerung und eine Niederlage für unsere Kultur. Wann hört dieses Morden nur endlich auf? Ich habe einmal einer solchen Veranstaltung beigewohnt. Ich werde die unmenschlichen Schreie der Verbrennenden, ihre offenen Münder und aufgerissenen Augen, die unmenschlichen Schreie und dann die gurgelnden, röchelnden Laute, nur noch übertönt vom Schrei der Zuschauer, das letzte Zucken der Glieder und die verkohlten Stümpfe, nie vergessen. Ich habe mich nur noch übergeben müssen. Das ganze mußte ich in Gottes Namen ertragen. Nein, mich bekommst du zu solche einer Veranstaltung nicht mehr hin. Diese Art Dienst an Gott ist verflucht!

Renaldo:        (kopfschüttelnd) Doch Vorsicht, hüte deine Zunge! Ich fürchte fast, dass das erst der Anfang ist.  Nächstes Wochenende sollte es weitergehen, denn es gibt zu viele zum Tode verurteilte Ketzer, als dass man sie alle hätte an einem Tag verbrennen können.

Pedro:            (geht auf Renaldo zu, legt beide Arme auf dessen Schultern, heftig) Du bist der Bischof. Kannst du diesem Schrecken nicht ein Ende machen? Wer ist schon dieser Inquisitor namens Torquemada? Doch nichts als ein armseliges Mönchlein, dem eure Kirche in Rom versehentlich zu viel Macht gegeben hat.

Renaldo:        (kopfschüttelnd, seufzend) Nichts, was die Kirche entscheidet ist versehentlich! Und Torquemadas Macht dient ausschließlich ihren Interessen. Du willst wirklich wissen, wer dieser Mensch ist? Aber eines zuvor: unterschätze diesen Mann nicht!

Pedro:            (ungeduldig) Nun sag schon! Wer ist er und warum hast du solche Furcht vor ihm?

Renaldo:        (ernst) Vor über einem Jahr, am 11. Februar  wurde Thomas de Torquemada, zuvor Prior des Dominikanerklosters von Segovia, mittels eines päpstlichen Briefes zum Inquisitor ernannt. (spöttisch weiter) Er hatte damals selbstverständlich freudig die Berufung angenommen und versah dieses Amt schon nach kurzer Zeit so erfolgreich, dass ihn Papst Sixtus der Vierte im Einverständnis mit den „katholischen Majestäten“, d. h. mit König Ferdinand von Aragonien und Königin Isabella von Kastilien, im August und Oktober letzten Jahres auf den Thronstuhl des neu geschaffenen Großinquisitorrats von Kastilien und Aragonien, d. h. von ganz Spanien berief. Er ist in den Augen der Kirche ein würdiger Inhaber dieses Thronstuhls, welcher, um in der Sprache der heiligen Inquisition zu sprechen, über die sämtlichen anderweitigen Tribunale ebenso erhaben ist wie der Thronstuhl Gottes über die Throne der Könige. Seine Macht hier in Spanien ist nahezu unbegrenzt.

Pedro:            (winkt müde ab, resümiert) Letzteres kannst also auch du nicht ändern. (dann ironisch, hart) Also müssen wir die Realität anerkennen. Das derzeitige prächtige Gedeihen der heiligen Inquisition, der „sancta inquisitio“, verdankt sie also vor allem der glorreichen und sorgfältigen Pflege dieses, entschuldige den Ausdruck, Ungeheuers Torquemada. Er mästet doch die Kirche und das Königshaus mit Menschenfleisch und irdischen Gütern, falls Ketzer in seinen Augen überhaupt Menschen sind, was sie in seinen und den Augen der Kirche aber vermutlich nicht sind. Aber sage mir doch bitte, steht denn nicht geschrieben, die Kirche dürstet nicht nach Blut?

Renaldo:        (bitter und ebenfalls ironisch) Oh, ja. Aber was steht denn nicht alles irgendwo geschrieben? So zum Beispiel auch:  Liebet eure Feinde! Aber bedenke, die Kirche selbst vergießt kein Blut!

Pedro:            (aufgebracht) Oh, ja, ich weiß. Tatsächlich vergiesst die Kirche oder auch dieser Unmensch Torquemada nicht direkt Blut. Keiner will sich die sauberen und heiligen Hände schmutzig machen. Torquemada beschränkt sich auf das Anordnen und Zuschauen. (dann ironisch) Es würde doch zu übel aussehen, beim Beten blutige Hände zu haben, beim Beten zum Gott der Liebe, Gnade und Barmherzigkeit. Oh, nein, mein Freund! Torquemada befiehlt nur, Blut zu vergießen, und das fliesst sodann in reichlichen Strömen. Er, das heißt die Kirche, befiehlt lediglich die dreimal vermaledeiten Ketzer zu martern und einzuäschern. Für mich ist da kein Unterschied.

Renaldo:        (eindringlich) Die Kirche ist aber doch nicht alleine. Sie hat einen dienstwilligen Familiar, Folterknecht, Henker und Brandmeister mit hunderttausend Armen, und der heißt Staat. Die Kirche hat keine physische, sondern nur eine moralische Macht. Zwangsmittel besitzt sie demnach nur, weil sie die Anwendung derselben der staatlichen Gewalt befehlen kann.

Pedro:             So ist es, aber die staatliche Gewalt ist der Kirche untertan! Also habe ich doch Recht! Ist das nicht deutlich genug?! Und dieser Torquemada befiehlt und geniesst es, sogar bei der Folter anwesend zu sein und die Verstockten, wie sie heißen, leiden und endlich gestehen zu lassen! So macht er sich zwar nicht selbst die Hände blutig, dafür aber seine Dominikanerkutte, die über und über und nahezu täglich vom Blut der Gequälten bespritzt wird.

Renaldo:        (leise, verzweifelt) Ich weiß das alles! Mir sind aber die Hände gebunden. Die Macht der Inquisition könnte jeden, selbst mich, vernichten. Auch du musst vorsichtig sein. Ich als gehorsamer Diener unserer Kirche halte mich da besser aus allem heraus. Ganz in der Nähe, im Kloster Sankt Paul, befindet sich ja bekanntlich Torquemadas Behörde. Von hier aus betreibt er die Inquisition gegen die Ketzer mittels des Sanctum Officium, dem heiligen Offiz.

Pedro:            (ironisch, wütend) Und dies mit allen hochidealistischen Absichten und nicht minder hochidealistischem Zweck, vor allem aber zum materiellen Wohle der Kirche und des Königs. Um mit klaren Worten zu sprechen, hier mordet Torquemada in seinem christlichen Fanatismus schlimmster Ausgestaltung des Teuflischen, und betreibt damit verbunden sein höllisches und hundsgemeines Raubfinanzgeschäft! (dann verzweifelt) Was geschieht mit unserem glorreichen Spanien? Aus dem Jahrhunderte langen Kampf gegen den Islam, das heißt gegen die unendlich viel höher gebildeten, feinen, humanen und toleranten Moriskos, ist mittlerweile  das spanisch-gotische Christentum als eine alles verschlingende Religion mörderischen Fanatismusses hervorgegangen.

Renaldo:        (bitter, zustimmend nickend) Es ist leider so. Ein Nichtchrist zu sein, d. h. ein Nichtchrist im Sinne dieser spanisch-christlichen Macht, gilt heute in den Augen eines jeden rechtgläubigen Spaniers als ein todeswürdiges Verbrechen. Vergiss aber bitte den König nicht. Selbstverständlich macht gerade er diese so gestaltete „Religion der Liebe“ zu einem sehr wirksamen Motiv seiner Politik, welche dahin geht, das Mohammedanertum und Judentum vom spanischen Boden zu vertreiben.

Pedro:            (aufgebracht) Die Zerstörung des Mohammedaner- und Judentums ist eine Zerstörung der Kultur und wird unser Land in die kulturelle Dunkelheit führen. Dabei geht es der Kirche und dem König doch nicht etwa um die Verkündung des Evangeliums, sondern einzig um Macht und Besitz. Und dieser Krieg um Macht und Besitz wird doch von  euch vor allem gegen die wohlhabende Schicht, die aus Heiden, Juden, Araber und sonstige Andersgläubige besteht, geführt.

Renaldo:        (beschwichtigend) Sag bitte nicht euch! Ich bin nur ein unbedeutendes Mitglied unserer Kirche und keineswegs mit allem einverstanden, was da geschieht. Frühere Kirchenväter hatten zu ihrer Ehrenrettung vor einem Religionszwang anders gedacht. So sagte einst Tertullian, der bedeutendste und innovativste lateinische Theologe vor Augustinus: Unreligion ist es, mir die freie Wahl der Gottheit, die ich verehren will, zu nehmen, so dass ich nicht mehr verehren kann, wen ich will, sondern wen ich muss.

Pedro:             (nachdenklich) Aber gerade jene Menschen, denen Religion nicht Theologie, sondern lediglich und schlicht ein Trost in höchster Sorge des täglichen Lebens und all seiner Härte war, wurden seit je her verfolgt. Denke doch einmal an die im Geheimen operierende Organisationen wie z. B. die Stillen im Lande, die Katharer, die Begharden und jene religiöse Gemeinschaften, die zwischen Ordensgemeinschaften und Laien angesiedelt waren, Brüder von freiem Geist, etc. Für sie galt: Jünger des Herrn sollten die Priester sein, unbeschwert von weltlichem Gut, lauteren Herzens, wie Arnold von Brescia.

Renaldo:        (belehrend) Aber muss ich dich daran erinnern, Thomas von Aquino, dessen „Summa Theologiae“ lehrt uns: Die Kirche musste sich entschieden wehren, um ihren Machtanspruch zu behaupten. „Die Ketzerei ist eine Sünde, wegen derer man verdient, nicht nur von der Kirche durch die Exkommunikation, sondern auch von der Welt durch den Tod ausgeschlossen zu werden. Bleibt der Ketzer bei seinem Irrtum, so soll die Kirche es aufgeben, ihn zu retten, und soll für das Heil der übrigen Menschen sorgen, indem sie ihn durch ein Exkommunikationsurteil aus ihrem Schoße ausschließt. Das übrige überlässt sie dem weltlichen Richter, damit er ihn durch den Tod von dieser Erde verbanne! Die Kirche musste sich schon immer entschieden wehren, um ihren Machtanspruch zu behaupten, um also ihre Schafsherde zu führen.

Pedro:            (bitter, ironisch) Ja, zu Recht sagst du Schafsherde, denn mehr als dumme Schafe waren die Menschen in den Augen der Kirche doch nie. Und so begann bereits vor mehr als dreihundert Jahren die organisierte Verfolgung. Die Päpste befahlen den Königen und Fürsten jene Menschen, die  sie Ketzer nannten, die aber vom wahren Glauben und Christentum oft mehr verstanden als sie selbst, gnadenlos auszumerzen. Sie befahlen den Massenmord! Wer sich weigerte, wurde exkommuniziert, verbunden mit der Gefahr der Absetzung und des Todes. Nach einem Jahr der Nichtlösung vom Banne wurde er selbst automatisch ein Ketzer und vogelfrei. Und das Schlimme daran, es hat sich bis heute nichts geändert!

Renaldo:        (begütigend, winkt ab) Die Kirche ist nicht schuld an dieser Entwicklung. Der Inquisitor Bernhard Guidonis gab um das Jahr 1300 in seinem Handbuch für Inquisitoren „Practica Inquisitionis haereticae praviatis“ folgende zwingende Vorgehensweise bei der Auslieferung eines Ketzers an: Deshalb übergeben wir diesen Ketzer dem weltlichen Arm und Gericht mit der innigen Bitte, wie die Canones vorschreiben, dass das Urteil über ihn nicht zum Tod und nicht zur Verstümmelung führe.

Pedro:            (wütend) Ach lass das doch! Versuche doch nicht mich zu täuschen. Ich bin doch kein ungebildeter Bauer! Denn wie heißt es dort weiter? Sollte es sich ereignen, dass ein Ketzer, nachdem er dem weltlichen Arm übergeben worden ist und schon zur Richtstätte geführt wird, sich bekehren will, so ist er der Inquisition wieder auszuliefern. Sodann befahl man den Inquisitoren, die Ketzergesetze stets bei sich zu führen, und dass nach jenem Gesetz unverzüglich die Todesstrafe zu vollziehen ist. Und dieses Ungeheuerliche geschieht noch heute und noch viel schlimmer.

Renaldo:        Was meinst du genau?

Pedro:            (wütend) Sag doch nicht, dass du keine Ahnung hast. Nicht nur der lebendige Ketzer allein, sogar auch der tote wird bestraft und verdammt. Man macht ihm post mortem den Prozess, gräbt ihn aus der geweihten Erde, verbrennt sein Bild und sein Gebein. Schließlich und endlich wird sein Gut beschlagnahmt, d. h. den Erben weggenommen und Staat und Kirche wieder einmal reicher.

Renaldo:        (abwinkend) Ja, es ist abscheulich. Aber dies ist nun einmal eine wichtige Einnahmequelle für Kirche, Staat und Gemeinde! Das Konzil von Narbonne legte zwar im Jahre 1243 für die Inquisitionsgerichte fest, dass die Erträge der Konfiskationen den Bischöfen zufallen sollten. Dies führte in der Folge aber dazu, dass immer mehr Bischöfe selbständig Prozesse gegen die Ketzer führten, so dass Alexander IV. die Inquisition im Jahre 1257 unmittelbar unter den Befehl des Papstes stellte. Nur der päpstlich ernannte Inquisitor hat seitdem das Recht, über die Stadt und jeden einzelnen Bürger zu verfügen.

Pedro:            (bitter, hart) Ja. Und seine Macht war und ist praktisch unbegrenzt, selbst den Kirchenbann hatte er nicht zu fürchten, weil jeder Inquisitor einen anderen davon lossprechen durfte. Nicht einmal der König, oder der Papst selbst, waren dagegen geschützt, wegen des Verdachtes der Ketzerei „ausgeforscht“ zu werden.

Renaldo:        Ich weiß. Im Jahre 1311 hatte die Inquisition sogar einen Prozess gegen den verstorbenen Papst Bonifatz VIII. wegen Ketzerei angestrengt. Weißt du, warum die Kirche so mächtig ist?

Pedro:            Weil ihr solche Bestien wie Torquemada und die mächtigen Könige hinter euch wisst.

Renaldo:        Nein! Weil wir durch die Beichte alle Informationen bekommen, die wir benötigen um uns rechtzeitig vor jeder drohenden Gefahr zu schützen.

Pedro:            Und was ist mit dem Beichtgeheimnis? Gilt das denn etwa gar nichts mehr?

Renaldo:        (ernst) Das bezieht sich doch nur auf die Person, die beichtet und um Vergebung bittet, nicht aber auf den Inhalt der Beichte. Wir verfügen so gesehen über das effektivste Spionagenetz der Welt Nicht das Wissen im wissenschaftlichen Sinn ist Macht, nein, sondern das Wissen über die Menschen, ihre Taten, Gedanken und Pläne!

Pedro:            Und was die Menschen nicht freiwillig beichten, dass presst Torquemada oder seine Helfershelfer aus den Menschen heraus!

Renaldo:        Vergiss bitte aber nicht noch die unzähligen Spitzel, Verräter und Denunzianten, ohne die kein absolutes Herrschaftssystem funktioniert. Und diese kommen meistens aus dem engsten Freundschaftskreis und der Verwandtschaft. Das ist zum Beispiel die betrogene Ehefrau, der entlassene Diener, der sich rächen will, der unterlegene Handelspartner und nicht zu unterschätzen die vielen Neider. Denn verraten kann einen natürlich nur, dem man vertraut. Fremden vertraut man nicht, sie können einen also nicht verraten!

Pedro:            (nachdenklich) Kann ich dir vertrauen?

Renaldo:       Es kommt auf die Umstände an! Kein Mensch schweigt mehr, wenn der Selbsterhaltungstrieb die Oberhand gewinnt!

Pedro:            (deutlich) Nun denn. Bei alledem muss man betonen: Es geht nicht etwa um Glaubensfragen. Diese werden nur vorgeschoben, ausschließlich um Macht und Reichtum zu gewinnen! Ich sage es nochmals, am einfachsten ist es, tote Ketzer zu verdammen, ihre Gebeine zu verbrennen und die Erben zu plündern. Das Volk wird stets in Furcht gehalten. Es weiß zwar, dass die Inquisitoren es mehr auf ihre Güter als auf ihren Glauben abgesehen haben. Sie erhoffen sich daher loskaufen zu können. Dennoch werden reiche und orthodoxe Katholiken nach ihrem Tode für Ketzer erklärt, um die Erben, die über Nacht völlig verarmen, zu noch mehr Geldzahlungen aus der Verwandtschaft zu bewegen.

Renaldo:        (wie entschuldigend) Leider! Doch noch etwas zu Torquemadas Ehrenrettung auf deine Frage, wer Torquemada denn eigentlich ist. Er ging bereits als Jüngling zu den Dominikanern in die richtige Schule, um den in ihn gelegten Glaubenstrieb zum allerhöchsten Grade zu entwickeln, sodass heute seine ganze Persönlichkeit  davon durchdrungen ist. Man sagt allerdings, dass es keinen religiöseren Menschen gibt als ihn. Er ist hart zu sich selbst und seinen Angehörigen, trägt nie ein anderes Gewand als die Kutte des Dominikaners und isst niemals Fleisch. Den erzbischöflichen Stuhl von Sevilla, der ihm reiche Pfründe beschert hätte, hatte er damals abgelehnt. Er hat sogar seine Schwester gezwungen, Nonne zu werden. Von all dem Vermögen, was konfisziert wurde, nahm er nichts für sich. Er tut alles für die Kirche und die Klöster. An der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit dieses Fanatikers kann man also nicht zweifeln.

Pedro:            (ironisch) Oh, ja! Ich zweifle keine Sekunde. Denn was er tut, das tut er ja zur Ehre Gottes. Er ist der Streiter des Himmels, und was er will, das will auch Gott. Er klagt an, foltert, verurteilt, kerkert ein, verbannt, konfisziert und verbrennt mit eiserner Konsequenz, so, wie nur der Fanatismus zu einer angeblich guten Sache sie entstehen lassen und bewahren kann.

Renaldo:        (belehrend) Die Idee Torquemadas ist, die Einheit und Reinheit des katholischen Glaubens bei allen Bewohnern Spaniens durchzusetzen. Tag für Tag beschwor er seit Anbeginn seiner Berufung König Ferdinand und Königin Isabella in diesem Sinne. Er erwirkte im Jahre 1478, dass der Bischof von Osma und sein Bruder Diego de Santillan nach Rom geschickt wurden, mit dem Ergebnis, dass am 1. November vor fünf Jahren in einer Bulle die neue spanische Inquisition eingesetzt wurde. Unter Torquemadas Leitung wurde die bestfunktionierende Behörde Spaniens geschaffen. Er duldet keine Milde oder Gnade.

Pedro:            Er macht die Inquisition zur Herrin von Spanien. Selbst Bischöfe sind, wie du zu Recht erwähnst, vor seiner Verfolgung nicht sicher. Sie dürfen zwar nicht gefoltert oder verbrannt werden. Aber allein die Möglichkeit, jeden Kirchenfürsten vor sein Gericht oder das der Kurie in Rom zu bringen, verschafft ihm Gehorsam. Hüte also auch du dich, mein Freund!

Renaldo:        (leiser) Auch du, mein Freund, sei vorsichtig. Allein solche Gespräche könnten uns den Kopf kosten. Aber ich bin aus einem ganz anderen Grunde gekommen. Nicht um mit dir über Politik zu reden. Doch bevor wir weiterreden, sage mir bitte, wo kann ich mich nach der anstrengenden Fahrt hierher ein wenig erfrischen? 

Pedro:            (herzlich) Entschuldige! Welch schlechter Gastgeber bin ich! Wir reden dann später weiter! (ruft seinen Diener Eduardo, alle verlassen den Raum).

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