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Das Schicksal der Monika O

Sommer 1998

Da Monika nun endlich alle Genehmigungen und von den Investoren Werner Kraft und Lothar Steger die notwendigen finanziellen Mittel hatte, die sie für das Geschäft benötigte, konnte sie endlich beginnen.

Dabei war ihr bewewußt, dass es sehr schwer für sie werden würde, alleine als Frau mit Kind in dieser Branche ihren Mann zu stehen, zumal sie von Motoren und Technik etc. keine Ahnung hatte, denn das waren gerade die Voraussetzungen, die Manfred, ihr Ehemann, für dieses Geschäft mitgebracht hatte.

Reiner Zack, oder “Knasti”, wie Monika ihn seit einiger Zeit im Stillen zur Unterscheidung von “Psycho” nannte, bot Monika einses Morgens an, ihr zu helfen und erklärte ihr dazu, während er sich in der Sonne aalte und wieder einmal, wie so oft, fürchterlich langweilte: “Monika, wir sind handwerklich nicht ganz unbegabt und könnten dir viele Arbeiten abnehmen.”

Wilfried Rohmann, oder “Psycho”, äußerte aber sofort seine Bedenken: “Das geht nicht, Reiner, auch im Hafen fährt die Polizei ständig Streife. Wenn sie uns erwischen? Was machen wir dann?”

“Ach was”, zerstreute Reiner seine Bedenken. “Wenn wir uns unauffällig benehmen, wird uns schon keiner beobachten oder gar befragen. Im Hafen sind so viele Menschen, Bootsbesitzer und neugierige Touristen. Die Bullen können nicht alle Menschen kontrollieren und beobachten, was sie da machen. und außerdem wissen wir nicht genau, ob wir inzwischen von Interpol gesucht werden. Und ich habe keine Lust, ständig auf der Finka gelangweilt herumzuliegen. Ich muss unter Menschen und brauche eine Aufgabe. Dir geht es doch genauso. Sei ehrlich! Wir könnten also Monika ruhig bei dem Geschäft helfen, wenn sie unser Angebot annimmt.”

Monika hatte zwar erhebliche Bedenken gegen dieses Angebot, hatte aber keine andere Wahl, da sie nicht alle notwendigen Arbeiten zugleich alleine machen konnte, und völlig fremde Menschen konnte und wollte sie nicht um Hilfe ansprechen, da die beiden “Investoren” ganz sicherlich nicht damit einverstanden gewesen wären. Bei den beiden Mitbewohnern hätten sie nichts dagegen einwenden können, zumal sie kein Geld für ihre Hilfe verlangten.

Als Monika, gerade nichts Böses ahnend, mit ihrer “Ente 2CV” die Hafeneinfahrt passierte, sah sie am Steg, wo ihre Boote lagen, die “Investoren”, Werner Kraft und Lohar Steger stehen. Sie waren in eine Unterhaltung vertieft und bemerkten sie nicht sofort.

“Guten Morgen!” grüßte Monika lächelnd.

“Guten Morgen!” grüßten Werner Kraft und Lothar Steger freudig überrascht zurück. Beide hatten kurze Hosen und bunte Hemden an und versprühten viel Elan, Lebensfreude und Zuversicht.

“Wir kommen um zu helfen!” sagte Werner Kraft großspurig. Lothar Steger stand unbeteiligt, wie so oft, daneben und überließ seinem Freund das Wort.

Werner Kraft fuhr fort: “Da ja übernächste Woche am Samstag die Geschäftseröffnung ist, haben wir einige Leute vom Fernsehen und bekannte Persönlichkeiten in die Bar “Can Pepe” eingeladen. Wir veranstalten ein Apero mit Kleinigkeiten zum Essen und genügend Champagner. Sie werden sehen, es wird ein Riesenerfolg!”

Monika strahlte und rief voller Freude: “Das ist ja toll! Dann wird ja alles gut werden!”

Und der Tag kam.

Monika stand schon früh auf und fuhr in die Bar “Can Pepe”. Die war aber noch geschlossen. Nanu, dachte sie. Die müssen doch schon längst mit den Vorbereitungen begonnen haben.

Um die Zeit bis zur geplanten Eröffnung zu vertreiben, ging sie zu den Booten und schaute nach dem Rechten. Sie waren alle in mustergültigem Zustand. Das konnte auch nicht anders sein, denn sie hatte sich gestern mit Hilfe von “Knasti” und “Psycho” den ganzen Tag damit beschäftigt, sie von innen und außen zu reinigen.

Mittlerweile war es 9.30 Uhr und sie ging zum Pistro “Can Pepe”. Der Wirt, ein kleiner, gedrungener Mallorquiner, begrüßte sie, wie üblich, fast mechanisch und etwas mürrisch: “Hola! Que tal?”

Offensichtlich war er ein Morgenmuffel.

Da die von den “Investoren” angekündigte Eröffnungsfeier um elf Uhr beginnen sollte, hatte sich Monika eine etwas enthusiastischere Begrüßung durch den Wirt vorgestellt. Wenn die Mallorquiner nämlich ein gutes Geschäft witterten, überschlugen sie sich in der Regel vor Freude, gaben sich überaus freundlich, hilfsbereit, großzügig und spendabel. Hier war aber davon nichts zu spüren. Pepe behandelte sie fast wie eine Fremde.

“Bien, bien!” antwortete sie ebenso mechanisch. Irgend etwas stimmt hier nicht, dachte sie, da sie keinerlei Vorbereitungen für die Eröffnungsfeier bemerkte und diese bereits in eineinhalb Stunden beginnen sollte.

Da Pepe einigermaßen gut Deutsch sprach, fragte sie ihn daher: “Wie steht es mit den Vorbereitungen für die Eröffnungsfeier um elf Uhr?”

“Was für eine Eröffnungsfeier?” antwortete Pepe verwundert.

“Sie kennen doch meine beiden Partner, Herrn Kraft und Herrn Steger?”

“Ja! Die waren aber schon lange nicht mehr hier!”

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